Freiberg – Holzhau- Seiffen – Olbernhau: Wanderungen im Osterzgebirge

Ein langes Wanderwochenende führt uns wieder mal ins nahe Osterzgebirge. Von Chemnitz ist man mit dem RE schnell in Freiberg, wo eine erste Wanderung am Bahnhof startet.

Unser Weg durch Freiberg führt durch Siedlungen und bald vorbei an Zeugnissen bergbaulicher Tätigkeit der letzten Jahrhunderte, manche etwas verwahrlost, andere saniert, aber alle interessant. Man spürt förmlich die reiche Geschichte dieser Stadt. Von der Halde der Alten Elisabeth genießen wir einen eindrucksvollen Blick auf die alte Stadt. Wenig später erreichen wir den historischen Stadtkern und ernten am Lomonossov-Platz das beeindruckende Purple-Path Kunstwerk „Trashstone 689“. Dem glänzenden Metallobjekt, in dem sich der umliegende Platz spiegelt, merkt man nicht an, dass es sich um Abfall handelt. Von hier laufen wir weiter durch die schöne Innenstadt. Das nächste Kunstwerk ist nicht ganz leicht zugänglich. Nur über den Kauf eines Tickets für den Dom gelangt man zum „Petrified Wood Circle“. Der beindruckende Dom allein ist den Eintrittspreis wert – gut, dass wir für diesen Besuch einen Anlass hatten. Direkt am Markt konditern wir äußerst lecker im nostalgischem Ambiente eines historischen Kaffeehaus. In Freiberg bevorraten wir uns auch noch mit lecker Brot und Wurst für die nächsten Tage [Track Runde Freiberg, 8,5 km]

Dann geht es auch schon wieder zum Bahnhof, denn wir wollen weiter nach Holzhau. Das ist an sich einfach, heute herrscht aber Ausnahmezustand und es gelingt uns nicht, am Bahnhof klare Informationen über die Züge zu bekommen. Ein Schild am Bahnsteig informiert, dass die Züge ausfallen und ist sich darin einig mit der Bahn-App, die Schienenersatzverkehr empfiehlt. Die Anzeige am Bahnsteig zeigt allerdings eine Abfahrt an, Ähnliches behauptet ein ausgehängter Baustellenfahrplan. Wir suchen Hilfe bei der Bahn-Auskunft, dort erklärt sich der äußerst unfreundliche Mitarbeiter in einem verrauchten Büro für unzuständig. Erst ein Anruf bei der Freiberger Eisenbahn klärt auf, dass wohl ein Zug fahren soll. Liebe Bahnunternehmen, das ist eine extrem schwache Leistung – so kann man arbeiten, wenn man keine Kunden braucht.

Dann kommt tatsächlich ein Zug, in dem wir, wenig überraschend fast allein, gen Holzhau juckeln. Wir steigen schon in Bienenmühle aus, um noch mal über den Berg Richtung Holzhau zu laufen. Im Ort gibt es auch noch mal einen leckeren Fleischer, weitere Würste für die nächsten Tage und eine Wiener auf die Hand müssen mit. Nun steigen wir hinauf auf den herrlichen Weg am Waldrand. Zwar ist es neblig, aber die Landschaft da oben ist immer wieder schön und der Abstieg nach Holzhau ein Traum. Und so kommen wir rechtzeitig zu einem Saunagang vor dem Abendessen im Lindenhof an und genießen später lecker Essen in der urigen Stube und lokales Bier. Nicht minder freundlich werden wir beim Frühstück umsorgt und wir bedauern fast ein wenig, nur eine Nacht hier zu bleiben.

Doch der Weg ruft, heute geht es weiter nach Seiffen. Unser Weg führt uns zur Grenze, wo ein herrlicher Weg entlang eines alten Floßgrabens führt. Später verlässt der Floßgraben den Wald und führt über herrliche Wiesen nach Böhmisch-Georgenthal. Im Ort queren wir den Rauschenbach und laufen weiter vorbei an der Talsperre nach Neuhausen. Von hier geht ein herrlicher Weg Richtung Seiffen, immer wieder lohnt der Blick zurück! Den Schwartenberg lassen wir aus und laufen direkt in den quirligen Ort, wo wir erneut zum konditern einkehren. Später bummeln wir noch ein bisschen durch die Geschäfte, die selbst jetzt im Oktober sehr gut besucht sind. Von Seiffen laufen wir noch ein paar Kilometer, erneut mit schönen Blicken über den Ort hoch zur Dachbaude, wo wir gemütlich abend essen und übernachten. [Track Holzhau – Seiffen, 24 km]

Am nächsten Tag steuern wir erneut Seiffen an, denn es gilt noch ein Kunstwerk des Purple Path zu besichtigen. Auch hier ist das Objekt Teil eines Museums, ein Besuch ohne Ticket ist jedoch möglich. Die Figur „Twister again“ ist im idyllischen Freiluftmuseum sicher ein moderner Fremdkörper, aber irgendwie passt es dennoch gut in die Umgebung. Wir laufen weiter am Ortsrand mit herrlichem Blick über das weite Tal, die herbstliche Landschaft und den Ort. Nach Queren des Ortskerns wiederholt sich auf der anderen Seite das Bild – herrliche Landschaften soweit das Auge reicht. Doch wir ziehen weiter und durch den Wald geht es nun hinunter nach Olbernhau. Kurz vor dem Ort öffnet sich der Wald zu weiten Wiesen und wie genießen den Blick bei einem Picknick – nicht zum ersten mal an dieser Stelle. An der Hauptstraße wird der Weg sehr unangenehm – obwohl hier viele Wanderer und Radfahrer entlangkommen, muss man sich am Rand der stark befahrenen Straße entlang drücken. Liebe Touristiker – bitte schafft hier mal eine zeitgemäße Lösung, also einen sichereren Weg für Touristen, die gern ohne Verbrennerlärm unterwegs sind. Am Bahnhof haben wir noch etwas Zeit, bummeln durch das Gelände der Saigerhütte und kaufen rasch auf der böhmischen Seite noch einige Spezialitäten, bevor wir im Zug entspannt gen Chemnitz rollen und am Fenster noch jede Menge schöne Landschaft im Flöhatal vorbeirauscht. Leider bemerken wir erst beim Vorbeifahren, dass wir in Olbernhau das Purple-Path-Objekt „Plywood“ ausgelassen haben – das holen wir irgendwann nach. [Track Seiffen – Olbernhau, 14 km]

Und so endet schon wieder eine schöne dreitägige Tour durch das Osterzgebirge mit vielen schönen Eindrücken. Wir kommen immer wieder gern her!