Alpines

Dem sächsischen Schmuddelwetter entronnen konnten wir kürzlich eine schöne sommerliche Urlaubswoche in den österreichischen Alpen verbringen. Auch wenn erhebliche Schneereste das Fortkommen in den hochalpinen Regionen oberhalb von etwa 2200 m verhinderten, konnten wir doch einige schöne Bergtouren machen. Die Gegend um unser Quartier in Leogang bietet dazu reichlich Möglichkeiten, viele Gipfel knapp über 2000 waren in unmittelbarer Nähe. Wenn man eine gewisse Höhe erreicht hatte, erinnerte einen der Anblick der Kette der Hohen Tauern auch daran, dass es gar nicht all zu weit weg noch deutlich höher geht, allerdings waren die über 3000er alle noch tiefst verschneit und allenfalls für Skitouren zugänglich. Dafür zeigte sich die hochalpine Flora von ihrer schönsten Seite, unzählige Bergwiesen voller bunter und mir weitgehend unbekannter Blüten bildeten zusammen mit den hochalpinen Panoramen die Höhepunkte unserer Bergtouren.
Natürlich musste sich auch dieses Mal unser Quartier an unserer Referenz, dem Böglerhof, messen und da ist es schon sehr schwer mitzuhalten. Das Holzhotel Forsthofalm bot uns einen sehr angenehmen Aufenthalt, gutes, wenn auch kein herausragendes, Essen und einen freundlichen Service, der allerdings durch einige kleine Pannen geschmälert wurde. Nachdem wir wussten, dass sich die überaus freundliche Chefin pro Bestellvorgang nur ein Item merken kann, funktionierte aber alles merklich besser. Absolut spektakulär war der Saunabereich des Hotels, der sich im obersten Stockwerk befand und wo man aus der Sauna durch große Panoramascheiben die umliegenden 2000er und das Leoganger Tal bewundern konnte.
Die meiste Zeit verbrachten wir freilich außerhalb des Hotels. Gleich am ersten Tag ging es in zweieinhalb Stunden 1200 Höhenmeter über gesicherte Steige zur Passauer Hütte (ca. 2000 m), dann nach ausgiebiger Rast noch mal 200 m höher auf den Hochzint, die umliegenden noch höheren Gipfel waren leider sowohl zeitlich als auch schneetechnisch nicht mehr zu erreichen. Am folgenden „Ruhetag“ ging es über eine schöne wiederum gesicherte Felswandtour mit „nur“ 600 Höhenmetern zur Steinalm mit einer zünftigen Jausen.
Danach gab es noch einen echten Ruhetag, an dem sich die Berge in Wolken hüllten und wir bei leichtem Nieselregen Zell am See erkundeten und den namensgebenden See umrundeten, wor wir auch voller sportlichem Ehrgeiz den als schwarzen Steig markierten Weg nahmen, der sage und schreibe 50 Höhenmeter mit sich brachte.
Damit war die Zeit am nächsten Tag dann reif für eine Gewalttour, von Fieberbrunn aus ging es mit dem Lift, zunächst auf etwa 1600 m und dann über den Wildsee auf den Wildseeloderer (ca. 2100 m). Von dort nahmen wir in einem Anflug von Tollkühnheit den Fieberbrunner Höhenweg in Angriff. Auf diesem unterwegs konnten wir einen weiteren Gipfel nicht links liegen lassen, also war auch noch der Bischof (auch ca. 2100) dran. Den Rückweg nach Fieberbrunn zur Bodenstation der Bergbahn mussten wir dann im Eiltempo nehmen um unsere Wellnesstermine nicht zu verpassen, was der Tour mit ihren über 25 km und etlichen Höhenmetern den Gewaltmarschcharakter verpasste. Dank einer hocpräzisen Restlaufzeitvorhersage mittels kalibrierter Grashalme konnten wir aber immerhin unterwegs noch auf zwei Radler einkehren und waren rechtzeitig zur Massage im Hotel Forsthofalm.
Als ob das nicht genug wäre, stand dann am nächsten Tag noch mal eine ernsthafte Tour auf dem Programm, nämlich von ca. 800 Höhenmetern über eine schöne Grattour vom Kuhfeldhörndl bis zum Spielberghorn knapp über 2000 und dann nach sehr steilem Abstieg zur Einkehr bei der Lindlalm, wo man einen leckeren Kaiserschmarrn servierte. Auf dieser Tour hatten wir allerdings wesentlich mehr Zeit, so dass wir lang und oft faul auf Bergwiesen rumliegen konnten. Damit war aber dann auch in Österreich Schluss mit schönem Wetter, am letzten Tag war wieder alles in Wolken, was wir aber sträflich ignorierten und allerhand Geld inverstierten um in 2000 m Höhe statt den Kapruner Hochgebirgsstauseen nichts als Nebel zu sehen. Immerhin gab es aber dabei eine spektakuläre Fahrt mit einem riesigen offenen Schrägaufzug und letztlich rundete eine spektakuläre Klammwanderung den Tag dann doch noch ganz schön ab. Schließlich ging es nach einer Höhlenbesichtigung und einer Stippvisite bei den Döners in Burghausen mit Sonnenwendfeuer wieder nach Hause in den ewigen Regen dieses misslungenen sächsischen Junis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.