Wandern und Feinschmeckern in Aue!

Tunnel am Muldentalweg

Und das in Aue! So etwa dachte ich nach den ersten Gängen des Degustationsmenüs im Restaurant St. Andreas im Blauen Engel in Aue. Das erste Haus am Platze in Aue hatten wir schon lange im Auge und das derzeitige Exil gab den Anlass für ein schönes Wochenende im Blauen Engel.
Das Degustationsmenü gehört ganz ohne Zweifel zum Besten, was ich in letzter Zeit gegessen habe. Die drei Fleischgänge (Gänseleber, Blutente und Variationen vom Sosaer Reh) waren perfekt zubereitet und kamen mit ebenso perfekter Begleitung. Wenn man hier überhaupt etwas kritisieren möchte, dann vielleicht, dass auf den Tellern zu viele kleine Häufchen, Schäumchen, Kleckschen und Sößchen zu finden waren, zwischen denen man schnell den Überblick verlor. Auch wenn der freundliche Servicechef alles im Detail erklärt, bleiben doch nicht mehr als drei Punkte hängen. Hier könnte sich die Küche noch etwas fokussieren. Geschmacklich und von der Konsistenz war natürlich alles hervorragend. Ebenso wie die zwei Grüße aus der Küche (Maronensüppchen, eine Kleinigkeit Fleisch), das Zwischengericht (Orchideensorbet mit Champagner-genial!), der Käse (wenigstens 12 erlesene Sorten zur Auswahl) sowie das Dessert (Schokoladenvariationen) sehr lecker waren. Die starke Dominanz von Fleisch (und Fisch) als Hauptgericht ist wohl in einem Degustationsmenü noch immer Standard.  Zumindest einen vegetarischen Hauptgang hätte ich erfrischend gefunden. Wie auch immer, ein wunderbares Menü mit einer perfekten Weinbegleitung zu einem Preise, der absolut fair ist.

Aussicht bei Lauter

Nach einem leckeren Frühstück im Hotel ging es dann am nächsten Tag auf Wanderung. Es hatte frisch geschneit, aber nur so viel, dass man noch gut laufen konnte. Vom Stadtzentrum erreicht man schnell beim Anton-Günther-Platz den Floßgraben, der auf nahezu konstantem Höhenniveau durch die Stadt führt. Heute folgen wir ihm durch das Muldental Richtung Rechenhaus, welches wir nach 10 km Weges durch herrlich verschneite Winterlandschaft erreichen. Vom Rechenhaus geht es zurück im Muldental auf dem neu gebauten Radweg, der auf der alten Bahntrasse errichtet wurde. Einen Kilometer nach dem Tunnel halten wir uns rechts bergauf hinauf zum Erzengelweg. Von dort geht es hinüber Richtung Lauter, wo wir am Waldrand entlang Richtung Oberpfannenstiel gehen.  Hier gibt es viele schöne Aussichten weit ins Gebirge, hinüber Richtung Schwarzenberg, Spiegelwald und noch viel weiter ins Gebirge. Bald erreichen wir das Schwarzwasser, dem wir linkerhand zurück nach Aue folgen. Nach 27 km schliesst sich am Blauen Engel die Runde – durch den Schnee merkt man die Strecke doch ein wenig mehr als sonst.
Da kommt gerade recht, dass es im Blauen Engel nicht nur ein Feinschmeckerrestaurant sondern auch einen Brauereigasthof gibt. In Lotters Wirtschaft gibt es nicht nur Selbstgebrautes sondern auch lecker Hausmannskost. Bei angenehmer Livemusik und einigen Lotter wird auch dieser Abend sehr schön.

Blick nach Schneeberg

Anderntags gehen wir wiederum auf Wanderschaft und folgen dem Floßgraben nun in die andere Richtung, nach Bad Schlema. Wiederum geht es durch eine schöne und dieses Mal auch sehr aussichtsreiche Landschaft, der Floßgraben zieht sich schön durch die Orte bis wir im Kurpark von Schlema sein Ende erreichen. Auf dem Lehrpfad geht es nun durch die nach der Wende komplett umgestaltete Haldenlandschaft von Schlema. Auf einigen alten Bildern kann man allenfalls erahnen, was hier in den letzten knapp 70 Jahren passiert ist. Der Begriff „Deformationsgebiet“ spricht für sich und man kann sich dennoch kaum vorstellen, was hier im Dienste des Uranbergbaus getan wurde. Vom Biedenkopfstein hat man einen herrlichen Ausblick über die neue Landschaft, Reste des alten Ortes und hinüber zur stolzen Bergstadt Schneeberg, deren Silhouette von Rathaus und Kiche geprägt wird. Von den Halden steigen wir hinab ins Schlematal und gehen herunter ins Muldental, wo uns eine Brücke über die Mulde führt, der wir zunächst linkerhand und dann mit einer Straße über den Fluß wechselnd ins Zentrum von Aue folgen. Hier suchen wir noch einmal kurz nach einer Innenstadt, die es aber offenbar nicht gibt. Man findet Reste mit einstmals stolzen Bürgerhäusern, jedoch ist das gesamte Stadtgebiet derart zerbaut, dass sich einfach keine städtische Anmutung einstellen will. Die zweite, mit 16 km etwas kürzere Wanderung findet sich hier.
Keine Innenstadt, aber ein gut gehendes Feinschmeckerrestaurant. Und das in Aue!
Bilder folgen.

Bilder zu den Wanderungen (Passwort kann bei uns erfragt werden)

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