Warnemünde

Eine reichliche Urlaubswoche verbringen wir in Warnemünde und Umgebung an der Ostseeküste gemeinsam mit unseren Freunden Matze und Wolfram. Wir wohnen etwas abseits des Ortes im Warnemünder Hof, einem Hotel mit solider Qualität. Der Stil des Hotels ist etwas in die Jahre gekommen, was zum übrigen Publikum ganz gut passt. Das Preisniveau ist hoch und passt nicht immer zur Leistung – eine Beobachtung, die auf weite Teile der Gastronomie an der Küste zutrifft. TK-Fisch in wenig originellen Varianten bestimmt die Speisekarten, Ausnahmen sind rar. Immerhin gibt es so ziemlich überall leckere und frische Fischbrötchen in X Varianten – ein schöner Snack für unterwegs.

Überhaupt liegen Licht und Schatten an diesem Teil der Küste dicht beisammen. Overtourism ist hier längst angekommen, was offenbar niemanden daran hindert, auch den letzten Zipfel Landschaft weiter mit Ferienanlagen und Eigentumswohnungen aller Art zuzubetonieren. Entsprechend zerstört sind Ortschaften und Landschaften – schöne Orts- und Landschaftsbilder sind leider zur Ausnahme geworden. Dennoch gibt es diese natürlich, etwa in Warnemündes hübscher Altstadt , in Bad Doberan oder an Rostocks Warnowufer. Auch Kühlungsborn ist punktuell ganz hübsch, die alten Villen erstrahlen in neuem Glanz – gleichzeitig sieht man aber auch furchtbare Neubauten und gleichzeitig Verfall in bester Lage. Noch ambivalenter wirkt Heiligendamm, die weiße Stadt am Meer. Luxus und Verfall dicht an dicht – 30 Jahre nach der Wende nicht zu verstehen. Natürlich ist uns klar, dass auch wir Teil des Overtourism sind.

Wir machen natürlich dennoch eine Reihe schöne Ausflüge. Von Bad Doberan dampfen wir mit der Molli durch die Fußgängerzone und weiter bis Kühlungsborn, von wo wir an der Küste bis Heiligendamm laufen (12 km) und mit der Molli zurückfahren. Das herrliche Warnowufer mit den Häfen und Rostocks schöner Silhouette erkunden wir mehrfach, mit einer ausgedehnten Hafenrundfahrt, einem Stadtspaziergang durch Rostock und den ehemaligen Hafen (16 km) sowie einer schönen Wanderung auf der gegenüberliegenden Warnowseite (9 km). Eine Radtour führt uns durch die schöne Markgrafenheide zum etwas ernüchternden Graal-Müritz (51 km). Bei einer ausgedehnten Wanderung erkunden wir das schöne Hinterland von Kühlungsborn, die sogenannte Kühlung und den „Berg“ Bastorf mit Leuchtturm und schönem Blick zur Küste (24 km).

Aus dem gastronomischen Einerlei ragt ein Abend im Restaurant „Der Butt“ deutlich heraus. Wenig überraschend, denn der Butt hat völlig zu recht einen Michelin-Stern. Leicht elitär im Jachthafen Hohe Düne gelegen, sitzt man mit schönem Blick in einer überschaubaren Runde von Gästen und genießt perfekten Service und spektakulär leckeres Essen, begleitet von sehr gut gewählten Weinen. Der Gast kann zwischen zwei Menüs wählen, eines davon vegetarisch, ebenso kann man aber auch mischen. Mein Menü liest sich so: Wurzeln, Steinbutt, Geräuchertes Ei, Kalbsfilet und Foie Gras, Rehrücken und Blutwurst sowie Walderdbeere. Diese trockene Aufzählung beschreibt die Rafinesse der Gerichte natürlich völlig unzureichend – das muss man sich erschmecken. Dazu kommen noch zwei Grüße aus der Küche, ein leckeres Sorbet von der Gurke mit Tonic und Gin sowie eine Pralinenauswahl zum Abschied. Und nicht nur das Essen ist exzellent, auch die Art wie es angerichtet und serviert wird. So ein Abend ist wirklich singulär -natürlich auch im Preis. Aber alle paar Jahre sollte man sich so etwas gönnen, allein um zu sehen, was Esskultur bedeuten kann. Und um Ideen mitzunehmen, ohne dass man diese Gerichte je kopieren wird können.

Es bleibt ein Rückblick auf eine schöne Urlaubswoche mit etwas ambivalenten Eindrücken. Mit Matze und Wolfram ist es auf jeden Fall immer wunderbar und bestimmt werden wir die Ostseeküste auch in den nächsten Jahren weiter erkunden. Bisher liegt Rügen im Vergleich auf jeden Fall weit vorn.