Ich muss gestehen, ich habe die Böhmische Schweiz immer ein wenig unterschätzt. Hinter Schmilka kamen in meiner Welt eigentlich nur noch ein paar pittoreske Felsen, ein paar verträumte Dörfer und vor allem das schreckliche Hrensko, eine Aneinanderreihung von primitivsten Straßenmärkten in denen Deutsche jeden erdenklichen billigen Plunder kauften.
Nun gut, Hrensko ist noch immer nicht schön und geprägt durch Grenztourismus. Aber gleich dahinter wird es ganz wunderbar! Wir entdecken eine herrliche Landschaft mit vielen goßartigen Tälern, beindruckenden Felsen, wunderschönen Dörfchen voller Umgebindehäuser und dazwischen ganz viel herrliche Landschaft, anders und irgendwie uriger als im deutschen Teil.
Wir nehmen Quartier im Schlößchen (Zámeček), einem kleinen Hotel in einem Gutshof in Rynartice (Rennersdorf), nahe Jetřichovice (Dittersbach). Das Hotel liegt ganz entzückend am Dorfrand (sofern man bei diesem Minidorf überhaupt von einem Rand sprechen kann) inmitten weiter Wiesen und mit herrlichem Ausblick auf die umliegenden Berge. Das Haus hat großes Potential, allerdings verhindert eine offensichtliche Ambitionslosigkeit, dass es so richtig schön ist. Preis und Leistung passen immerhin zusammen, das Essen ist ganz gut und der Service ist meist freundlich bemüht.




Von hier bieten sich viele schöne Wanderungen an und so machen wir uns sogleich an die Tat. Unsere Leipziger Freundinnen Ilka und Katrin sind bei uns und Katrin ist die beste Wanderwegaussucherin der Welt! Am ersten Tag starten wir also zur sogenannten Teehäuschenrunde, hinter nach Dittersbach und dann weiter auf die umliegenden Felsen. Auf dem Marienfels steht tatsächlich eine Art Teehäuschen. Weiter geht es zur Wilhelminenwand und mit allerlei Leitern und Kraxeln auf den Rudolfstein, leider sind alle diese Felsen nicht nur für uns sehr interessant, es ist ziemlich voll. Auf dem Rückweg nehmen wir ruhigere Wege, laufen durch idyllische Täler und Wiesen und nehmen noch den schönen Treppenstein mit. Unterwegs erwischt uns ein sehr intensiver und anhaltender Regen – aber mit guten Klamotten kein Problem. In Dittersbach kehren wir deftig böhmisch ein und nehmen einen schönen Waldweg zurück zum Hotel (15 km, 700 Hm).












Für den nächsten Tag steht eine Einwegtour nach Česká Kamenice an und deshalb wollen wir abends mal schnell ein Auto dort deponieren und was essen. Was wir nicht wussten, war, dass in Česká Kamenice an diesem Wochenende Stadtfest ist. Und so gestaltete sich die Suche nach einem Übernacht-Parkplatz etwas schwierig. Dafür bot das Fest dann vielfältiges uns sehr leckeres Streetfood nebst gutem Bier. Lediglich die recht laute und anstrengende Musik sorgte dafür, dass wir den Abend lieber im Hotel ausklingen ließen. Anderntags geht es also auf schönen Wegen nach Česká Kamenice. Wir folgen zunächst ein Stück dem schönen Paulinengrund und laufen dann auf schönen Höhenzügen durch Wiesen und Dörfchen (13 km). In Česká Kamenice gibt es noch mal was auf die Ohren und erneut etwas Streetfood. Auf dem Rückweg ins Hotel entdecken wir noch ein schönes Restaurant für den Abend und reservieren gleich. Später essen wir im „Bauernhaus an der Scheune“ ganz wunderbar gehobene böhmische Küche in urigem Ambiente – eine unbedingte Empfehlung. Zum Nachtisch gibt es böhmische Liwanzen, unglaublich lecker, aber auch extrem sättigend.


Am dritten Tag gibt es eine ausgedehnte Rundtour, durch herrliche Täler, mit großartigen Aussichten und einem Ufo! Die ersten paar Kilometer übernimmt dankenswerterweise ein Bus, aus dem wir sehr gern auch wieder aussteigen, froh dumpfbackigen deutschen Sauftouristen nicht länger zuhören zu müssen. Das Ufo entpuppt sich als ulkiger Aussichtsturm mit einer herrlichen Rundumsicht. Vor uns liegen die Berge des Elbsandsteins aus einer ganz ungewohnten Perspektive. Beeindruckend ist auch die gewaltige Felswand am Massiv des Großen Winterbergs, in dem wir mit dem Fernglas das Brebischtor entdecken. Im nahe gelegenen Dörfchen Růžová kehren wir am frühen Nachmittag ein. Hier gibt es zuverlässig die Klassiker der Böhmischen Küche und ich genieße ein perfektes Knoblauchsüppchen mit Brot, Schinken und Fäden ziehendem Käse sowie ein mit Fleisch und Käse überbackenes Röstbrot, was gut als Variante von Teufelstoast durchgehen kann. Haken ran! Freilich wartet noch ein längeres Stück Rückweg, für den wir das Tal der Kamenice erneut queren und einem wunderbar klaren kleinen Flüsschen durch den Grund bis Jetřichovice folgen. Hier gibt es noch schnell lieblos ausgeschenktes Eis nebst Kaffee, bevor wir auf bekanntem Wege zurück zu unserem Schlösschen laufen (21,5 km, 560 Hm).











Abends essen wir noch einen kleinen Happen und genießen am Morgen danach erstmalig ein richtig entspanntes Frühstück im Hotel , mit gut gefülltem Buffet und vernünftigem Service. Freilich sind auch nicht mehr viele Gäste im Haus, anders als an den offenbar ausgebuchten Tagen zuvor. Tschechische Schulferien sollte man in diesem Haus also meiden. Vor der Heimreise gibt es noch einen Quickie, ein kurzer Abstecher zur Burgruine auf dem Falkenstein, sehenswert und wiederum mit schöner Aussicht. Auf den letzten Metern ins Dorf macht sich Wehmut breit – echt schade, dass wir diese schöne Gegend schon wieder verlassen müssen (3 km, 100 Hm).


Neben der Erfahrung, die schöne Schwester der sächsischen Schweiz etwas besser kennengelernt zu haben, beeindruckt auch, wie nah doch die verschiedenen schönen Gebiete zusammenliegen, denn bei Ceska Kamenize schließt sich unmittelbar das Gebiet an, welches wir vor zwei Jahren erkundet haben und gleich dahinter liegt ja dann auch schon das Zittauer Gebirge. Klingt so, als müsste man das alles mal mit einer schönen Strecken- und Rundwanderung verbinden – vom Elbi durch das Lausitzer Bergland ins Zittauer Gebirge und durchs Böhmische zurück! So oder so, wir kommen wieder!