Immer wieder zieht es uns in die hohen Berge. So schön unsere Mittelgebirge sind, so schön es am Meer ist, die alpinen Landschaften sind schon noch mal besonders, beeindruckend, majestätisch – und auch heraufordernd. In diesem Jahr geht es besonders hoch hinaus. Nach einem kurzen Aufwärmen bei Freunden im Allgäu besuchen wir das Panorama der ganz hohen Berge rund um Zermatt und gönnen uns dann noch einen ruhigen Ausklang auf der Hochebene zwischen Seefeld und Leutasch in Tirol.
Im Allgäu
Nahe Kempten leben Freunde, die wir gern in Verbindung mit Alpenurlauben für ein paar Tage besuchen. Hier haben wir immer eine gute Zeit zum Entspannen und Plaudern, zum gemeinsamen Essen oder sogar zum Baden im Pool. Hohe Berge sind von hier leicht zu erreichen, so dass wir gleich eine Einstiegstour starten – auf den Grünten.
Vom Parkplatz starten wir unsere Wanderung, die uns zunächst auf das Burgberg-Hörnli führt. Ein schöner aber doch schon steiler und luftiger Weg führt direkt zum markanten Zwischengipfel. Von dort führt eine nette etwas ausgesetzte Kraxelei am versicherten Steig weiter Richtung Grünten-Gipfel. Vor dem Gipfel gönnen wir uns noch eine Pause am leider derzeit geschlossenen Grüntenhaus. Immerhin gibt es Limos gegen Kasse des Vertrauens – zeitgemäß auch per Paypal möglich. Kurz danach folgt schon der Gipfel (1740 m) mit dem markanten Jägerdenkmal. In großem Bogen führt uns nun ein schöner und aussichtsreicher Weg wieder runter. Zwischendrin gibt es an der Schwandalpe noch lecker Kaffee und Kuchen. (Tour 11 km, 930 Hm)

Anderntags ist bei ziemlicher Hitze weitestgehend Schlonz- und Ruhetag. Nachmittags fahren wir in die Kemptener City und konditern lecker im Café Sissi. Abends wird, wie auch schon am Vorabend gegrillt und wir genießen die Zeit im Allgäu. Dann heisst es auch schon wieder Abschied nehmen, denn wir müssen weiter nach Chur!
Chur und Zermatt
Der nächste Abschnitt unseres Urlaubs ist die Schweiz. Mit dem legendären Glacier-Express fahren wir nach Zermatt, dorthin, wo man in jede Blickrichtung mehrere 4000er bestaunen kann. Doch zuvor geht die Reise erstmal nach Chur. Über beschauliche Straßen fahren wir durch sanftes Voralpenland Richtung Bodensee. Von dort führen uns weniger beschauliche Transitautobahnen bis Chu, wo wir am frühen Nachmittag ankommen – gerade rechtzeitig, um konditern zu gehen und für einen Bummel durch die schön alte Stadt. Abends essen wir sehr gut in der Veltliner Weinstube zum Stern und machen uns hier auch schon mal mit dem Schweizer Preisniveau vertraut.
Am nächsten Vormittag starten wir vom Bahnhof Chur mit dem Glacier-Express Richtung Zermatt. Das ist schon sehr beeindruckend, die großartige Landschaft an den Panoramascheiben vorbeiziehen zu sehen. Das wilde Rheintal, der Oberalppass mit seinen enormen Steigungen und schließlich das spektakuläre Tal der Matter sind atemberaubend – zum Glück kommt zwischendurch auch ruhigere Landschaft. Beeindruckend ist vor allem aber die Ingenieursleistung, solche Bahnstrecken zu bauen, teil mit Zahnrad, teils sich in Loopings selbst überholend – verrückt. Es bedarf natürlich keiner Erwähnung, dass der Zug pünktlich startet und ankommt. Ob es nun der doch recht teure Glacier-Express sein muss, sei mal dahingestellt. Auf gleicher Strecke fahren auch Linienzüge, aus denen man das Gleiche sieht, zumindest wenn man einen guten Platz hat.
Zermatt ist total überlaufen, zerbaut und gnadenlos überteuert. Eigentlich gibt es keinen Grund, hier Urlaub zu machen. Wäre da nicht die großartige Hoch-Alpenlandschaft mit zig 4000ern rund um den Ort. Man verlässt den Moloch rasch mit einer der Bergbahnen, die es in den verschiedensten Technologien gibt, eine Berg-Eisenbahn, eine Berg-U-Bahn und natürlich Gondelbahnen aller Art. Und dann steht man da und staunt, ringsumher schneebedeckte Gipfel. Und Gletscher, so zahlreich, dass man meinen könnte, es gäbe kein Problem mit dem Gletschersterben. Zumindest an den Rändern ist Zermatt auch noch ganz nett und selbst in der Mitte gibt es zum Glück noch Häuser mit großen Wiesen und schönen Gemüsegärten – liebe Zermatter, verteidigt das bitte gegen die Betonmafia, die jeden freien Fleck zu bebauen versucht.
Von Zermatt aus machen wir mit Hilfe der Bergbahnen viele schöne Ausflüge. Vom Schwarzsee steigen wir auf zum Matternhornhaus, wo wenige Hundert Meter höher schon die Todeszone beginnt (Tour 10 km, 800 Hm). Wir kehren hier nur schön ein und bewundern die Rückkehrer vom Gipfel. Zumindest die Lebenden und von den anderen liest man dann täglich in den Zermatt-Nachrichten. Mit der Gornergratbahn geht es in andere Richtung in die Bergwelt. Zunächst machen wir „Meet the sheep“ – und finden tatsächlich die Schwarznasenschafherde zum Knuddeln. Unser eigentlich Ziel ist aber der Gornergratgletscher, den wir nach einer Wanderung vom Rotenboden erreichen. Dank der Grödel können wir den Gletscher erkunden und das ist schon beeindruckend. Wir bewundern Löcher und Spalten in vielen Formen und oft mit der Farbe des blauen Eises. Man sieht aber auch, dass der Gletscher überall massiv taut, Wasserströme im Innern und auf der Oberfläche erzeugen jede Menge Wasser, welches unten in der Matter ab Mittag zu einem täglichen Hochwasser anschwillt. Und erschreckend ist es, wenn man in der Landschaft sieht, welche Flächen dieser und die benachbarten Gletscher früher bedeckten. Auf dem Rückweg erleben wir noch ein gewaltiges Gewitter. Mit nassen Klamotten steigen wir in die Bahn nach unten, doch schon wenige Minuten später reisst der Himmel auf und wir steigen spontan wieder aus und genießen auf der sonst leeren Terasse eines Berggasthauses Kaffee und Kuchen mit grandiosem Blick aufs Matterhorn (Tour 10 km, 500 Hm).
Ein weiterer schöner Ausflug bringt uns mit einer anderen Bergbahn zur 5-Seen- Runde. Diese ist zwar am Anfang ziemlich überlaufen, erweist sich aber als herrlich abwechslungsreich, sowohl landschaftlich als auch botanisch. Mit der Zeit verlieren sich auch die Massen und wir bewundern herrliche vielfältige Gebirgsstauden-Biotope und haben dabei immer das Matterhorn im Blick. Unterwegs kehren wir am Grünsee lecker ein. Der letzte Abschnitt führt durch das alte Bergdorf Findeln, auch das ein Kleinod (Tour 12 km 340/640 Hm). Unser vierter Tagesausflug führt uns auf das kleine Matterhorn. Mühelos kommt man in große Höhe, schwebt lautlos über den zerfurchten Gletscher und landet schließlich in der Touri-Hölle. Man kann ein wenig durch den Gletscher laufen und kitschige Eisskulpturen bewundern. Spannender sind die Aussichtsplattform und die Möglichkeit, am Gletscher ein Stück herumzulaufen. Die Aussicht von 4000 m Höhe auf viele andere 4000er ist grandios. Für den Rückweg verlassen wir ab Furi die Seilbahn wieder und nehmen den Kulturweg, der uns durch schön erhaltene alte Dörfer sanft hinunter nach Zermatt bringt. Zwischendurch gibt es einen schönen Imbiss auf der Alm, ein Schläfchen auf einer Bergwiese und leckeren Aprikosenkuchen auf einer weiteren Alm (Tour 7,5 km, 140/410 Hm). Im Ort angekommen beobachten wir noch ein Weilchen den Start der Geißenkehr, wofür eine Hirtin und eine Gruppe Jungs Ziegen an einer Bergweide zusammentreiben und zwei mal täglich die Hauptstraße entlang treiben, abends zurück zum Nachtquartier und morgens zur Weide.
Zermatt bietet eine beeindruckende Zahl an hervorragenden Restaurants. Und da es sowieso überall teuer ist, beschließen wir, für das Geld wenigstens sehr gut zu essen. Das gelingt auch ziemlich gut in verschiedensten Restaurants. Passend zum „Meet the Sheep“ essen wir abends in der Schäferstube mit einer großen Auswahl an Lammgerichten vom Schwarznasenschaf. Tja, man trifft sich eben immer zwei mal im Leben … Von den vielen guten Restaurants möchten wir nur eines herausheben, das Welschen-Stübli. Hier sitzt man nicht nur sehr angenehm an großen Panoramascheiben (Matterhorn, klar), das Essen ist perfekt auf den Punkt zubereitet und äußerst wohlschmeckend. Überhaupt gibt es etliche schöne Restaurants am Rand des Orts mit schöner Aussicht und abseits des Trubels auf der Hauptstraße.
So vergehen ruckzuck die Tage in Zermatt und schon wartet wieder der Glacier-Express, der uns zurück nach Chur bringt. Wieder zieht viel beeindruckende Landschaft an uns vorbei und auch dieser Zug ist auf die Minute pünktlich am Ziel. In Chur steht auch unser Auto wohlbehalten und wir fahren durch die Schweiz und Österreich und vielleicht sogar ein kleines bisschen Lichtenstein zu unserem nächsten Ziel.
Leutasch bei Seefeld
Ein neues Hotel, ein neues Panorama, alles ein wenig niedriger aber doch auch sehr beeindruckend. Schön ist vor allem die ausgedehnte Hochebene rund um Leutasch und Seefeld, umgeben von etlichen 2000ern. Hier ist auch sonst alles etwas beschaulicher und selbst das Urlauberzentrum Seefeld ist angenehm ruhig im Vergleich mit Zermatt. Wir wohnen im Landhotel Wolf, einfach, funktional und preiswert.
Am ersten Tag in Leutasch haben wir gleich einen Regentag. Guter Grund für spätes Frühstück, treiben lassen, Ron fährt ins Schwimmbad und ich nutze eine Regenpause zum Joggen, was auf der Hochebene super geht. Nachmittags wird es freundlich, wir fahren nach Seefeld und konditern sehr lecker im Kaffeehaus Viktor. Ein kleiner Spaziergang führt uns nach Reith (Tour 5,5 km, 100 Hm) und abends essen wir in der Triendlsäge, ein uriges Gasthaus tief im Wald mit deftig-guter Tiroler Küche.
Für den nächsten Tag steht eine Bergtour an, es geht auf die Gehrenspitze (2367 m). Da unser Ausgangsort nicht mehr ganz so hoch liegt, führen die ersten paar Hundert Höhenmeter durch den Wald. Aber bald lichtet sich die Szenerie, wir passieren Almen und offene Hochgebirgslandschaften auf gut zu begehenden Pfaden. Je näher wir dem Gipfel kommen, umso mehr reisst auch die Wolkendecke auf und nach noch ein paar Hundert etwas anspruchsvolleren Höhenmetern erreichen wir den wolkenfreien Gipfel und genießen Sonne, wie auch einen herrlichen Rundumblick, weit über die Tiroler Alpen und ins Karwendel. Nun geht es die ca. 1300 Höhenmeter wieder bergab, nicht ohne kurze Einkehr auf Kaffee und Kuchen in die Wangalm (Tour 20 km, 1300 Hm). Abends essen wir wieder urig deftig gleich um die Ecke im Mundestadl, einer kleinen gemütlichen Kneipe mit einem sehr guten Tafelspitz.
Eine weitere schöne Bergtour startet von Seefeld, diesmal mit massiver Seilbahnunterstützung. Mit der Standseilbahn geht es auf die Rosshütte und weiter mit der Seilbahn auf das Seeelder Joch. Von dort ist man rasch auf der Seefelder Spitze (2220 m). Weiter führt uns ein herrlicher Weg durch den Geröllhang zum Reither Joch auf 2189 m. Zur Reither Spitze (2373 m) führt nun eine leichte und luftige Kraxelei auf einem gesicherten Steig. Ich bin sehr froh, dass wir diesen Abschnitt nur im Aufstieg gehen. Die Reither Spitze überschreiten wir und kommen nach kurzer wiederum Seil-gesicherter Kraxelei bergab rasch zur Nördlinger Hütte. Hier essen wir sehr lecker, erst eine tolle Jausenplatte mit verschiedenen Specks, Käsen und Würsten. Danach gibt es noch einen tollen Kaiserschmarren – innen fluffig und außen schöne Kruste. So gestärkt gehen wir weiter auf immer noch alpinen Steigen zur Bergstation der Hämelekopfbahn, die uns rasch zurück zur Standseilbahn bringt, mit der wir hinunter nach Seefeld fahren (Tour 6 km, 500 Hm). Abends essen wir bei Bertas im Weißen Rößle in Reith. Sehr gute Küche, super Service und schönes Ambiente.
Unmittelbar vor Augen haben wir die hohe Munde und so liegt ein Aufstieg zum Ostgipfel (2592 m) nahe. Wieder führt ein schon recht steiler Forstweg durch den Wald. Doch so richtig anstrengend wird der Weg oberhalb von 1600 m. Viel Fels, viel leichte Kraxelei, geröllig, von Felsen durchsetzt, so richtig Freude macht das nicht. Ich breche knapp 200 Hm unter dem Gipfel die Tour auf der Geröllhalde ab. Ron rennt schnell hoch und erntet den Gipfel, während ich langsam absteige. Dennoch haben wir viele schöne Aussichten, ins Inntal und weit darüber hinaus. Auf dem Rückweg nehmen wir noch Kaffee und Kuchen in der Rauthhütte mit. Von dort führt uns ein schöner Abstieg über Wiesen wieder hinunter ins Tal – oder besser, auf die Hochebene (Tour 15 km, 1400 Hm). Abends essen wir gleich nebenan in Leutasch gut und deftig in der urigen Stube des Kühtaierhof.
Die nächsten beiden Tage gehen wir es entspannter an. Einen Tag bummeln wir gemütlich in das benachbarte Almenparadies Gaistal, eine idlyllische Wald- und Wiesenlandschaft. Wir kehren ein in der sehr schön gelegenen Tillfussalm. Wir essen leckere Almburger und Kaspressknödel sowie noch einen Marillenkuchen und laufen mehr als gesättigt zurück nach Leutasch (Tour 14 km, 300 Hm). Abends bummeln wir durch das hübsche Mittenwald und essen hochkarätig im Marktrestaurant. 7 leckere Gänge und eine sehr gute Getränkebegleitung machen den Abend gelungen. Der letzte Tag in Leutasch wird schließlich zum richtigen Ruhetag. Gemütliche Wege am Ortsrand mit Bänken und Liegen laden mich ein zum Lesen und Träumen während Ron im Bad Wellness macht. Nachmittags gibt es zum Kaffee Blaubeerschmaren sieht komisch aus, schmeckt aber lecker. Abends essen wir bei Lorenz in der alten Mühle in Scharnitz sehr gut, obwohl leider nur die kleine Karte verfügbar ist.
Und so gehen gut zwei Wochen in den Alpen wie im Flug vorüber und wir müssen schon wieder nach Hause. Doch das Auto ist voll mit essbaren Erinnerungen, Obst aus Tirol, Trockenfleisch aus Zermatt und Käse, Schinken und Würste aus Tirol. Wir haben noch einige Wochen immer wieder leckere Erinnerungen auf dem Teller.




























































































































