Ein paar Tage im Norden & natürlich Grünkohl

Die Tage um den Jahreswechsel haben wir beschaulich in St.-Peter-Ording an der Nordsee verbracht. Der Wettergott meinte es sehr gnädig mit uns, so dass nicht nur der sonst dort übliche Sturm abgestellt war sondern auch noch teilweise die Sonne schien. Das gab uns Gelegenheit binnen dreier Tage die gesamte, gar nicht mal so kurze St. Peteraner Küste zu erwandern. Teile dieser phantastischen Landschaft sind nur bei Ebbe zugänglich und selbst da tun sich immer wieder Priele auf, die den Wanderer zu erheblichen Umwegen zwingen.
Spannend ist das Wattenmeer allemal und jetzt weiss ich auch, wieso Jesus über das Wasser laufen konnte. Gab es doch dort ausgedehnte Bereiche des Watts, auf denen etwas Wasser steht, so dass es wie eine geschlossene Wasserfläche wirkt auf der man aber leicht herumlaufen kann.
Klar, dass St. Peter nicht ohne Grünkohl geht. Da selbiger dieses Mal so überaus lecker war, soll deshalb hier noch kurz seine Aufbereitung dokumentiert werden: Zunächst muss man im Feindesland (also Dithmarschen) Grünkohl holen. Selbiger wurde sodann gereinigt, blanchiert und grob gehackt. Die verbleibende grüne Masse habe ich etwas ausgepresst. Nun wurden Zwiebeln in Schmalz angebraten und der Grünkohl hinzugefügt. Mit Bauchspeck, Salz und Pfeffer sowie Brühe wurde das Ganze ca. eine halbe Stunde gekocht und dann einen Tag stehen gelassen. Am nächsten Tage wurde der Kohl noch mal ca. eine Stunde gekocht und schlussendlich Kassler und Mettenden hinzugefügt, die im Kohl nur noch erwärmt wurden. Klar dass es dazu nur eine Sorte Kartoffeln geben kann! Die 2 kg Grünkohl hätten übrigens auch für 8 Leute bequem gereicht, aber kleine Mengen Grünkohl machen ja gar keinen Spass.
Insgesamt ein paar schöne ruhige Tage, mit viel Muße, Zeit zum Lesen, netten Gesprächen und gar lustiger Unterhaltung durch Herrn Till an der Unterhaltungselektronik 😉

Lessing und Henri

Auch auf die Gefahr hin, dass der Eindruck entsteht, dass mein gebloggtes Leben nur um Essen und Musik kreist, setze ich heut noch mal eins drauf, denn ich möchte hier mal Werbung für zwei vernachlässigte Kneipen machen.
Da wäre zum einen das Cafe Henri, welches wir gestern nach dem Weihnachtsoratorium aufgesucht haben. In der langen Zeit, die ich nicht mehr dort war, hat sich praktisch nichts verändert – was in diesem Fall durchaus positiv ist. Man sitzt mehr oder weniger in einem Wohnzimmer und fühlt sich irgendwie zu Hause. Gewohnt souverän die Kleinigkeiten der Henri-Küche, insbesondere das tolle Knoblauchbrot. Eigentlich weiss ich auch gar nicht mehr, weshalb ich dem Henri so lange abhold war – wahrscheinlich war es damals einfach zu viel des Guten 😉
Zum zweiten das Lessing. Eigentlich völlig unverständlich, dass wir an einem Freitag abends praktisch die einzigen Gäste sind. Man speist sehr lecker, kreativ und eigentlich viel zu billig. Es ist vielleicht noch nicht die ganz große Küche, aber in dieser Klasse auf alle Fälle ohne Konkurrenz in der näheren Umgebung. Auch deshalb ist mir völlig unverständlich, dass man sich im benachbarten Onkel Franz um Plätze und weitaus schlechteres Essen prügelt … Nicht zuletzt spricht für das Lessing, dass der Chef seine Ware in den gleichen Läden wie ich einkauft.
Und da wären wir auch schon bei einem kleinen feinen Gemüsehändler (Gartenbau Kretschmer auf der Barbarossastrasse), bei dem ich sehr gerne einkaufe. Nicht nur, dass man dort äußerst freundlich und zuvorkommend bedient und ehrlich zur Qualität der Produkte beraten wird, haben die Kretschmers auch noch ein tolles Sortiment jahreszeitlicher Produkte aus eigenem Anbau in bester Qualität. Und anscheinend finden auch andere große Küchenchefs, dass man das schmeckt ^^
Also liebe Kassbergbewohner, im nächsten Jahr nehmen wir uns vor, öfter ins Henri und Lessing zu gehen und bei Kretschmers Obst und Gemüse zu kaufen!

Essen in und um Chemnitz

So, der Jörg war mal wieder fleissig und hat alle Restaurants der weiteren Umgebung zusammengetragen, die er für potentiell besuchenswert hält. Das ist im wesentlichen ein Extrakt der einschlägigen Guides und eigener Erfahrungen:

Name Jörgs Rating Gault Millau Feinschmecker Aral
Sterne (5) Punkte (5) Löffel
Alexanders, Chemnitz **** n.a. n.a. n.a.
La Vinotheque, Lichtenwalde **** n.a. n.a. n.a.
Janssen, Chemnitz *** n.a. n.a. n.a.
HeckArt, Chemnitz *** n.a. n.a. n.a.
Lessing, Chemnitz ** n.a. n.a. n.a.
Schlosshotel Klaffenbach, Chemnitz ** n.a. n.a. 1
Messina, Chemnitz n.a. n.a. n.a.
Blauer Engel, Aue n.a. 15 n.a. 2
Büttner, Schneeberg n.a. 13 n.a. n.a.
Landhotel Rittersgrün, Breitenbrunn n.a. 10 n.a. 1
Opera, Chemnitz n.a. 13 n.a. 2
Streller’s, Chemnitz n.a. n.a. n.a. 1
Villa Esche, Chemnitz n.a. 13 1.5 2
Le Bambou, Freiberg n.a. n.a. 1 1
Jagdhaus Waldidyll, Hartenstein n.a. 13 n.a. 2
Schloss Wolfsbrunn Pavillon, Hartenstein n.a. 15 n.a. 2
Drei Schwanen, Hohenstein n.a. n.a. n.a. 1
Schwarzbeerschänke, Pobershau n.a. n.a. n.a. 1
Drei Schwäne, Zwickau n.a. 14 2 1
Zensur, Freiberg n.a. 14 1.5 n.a.
Da Giuseppe, Zwickau n.a. 13 n.a. n.a.
Schwarzbachtal, Hohnstein n.a. n.a. 1.5 n.a.

Wenn man das mal nach meinen Interessen und dem, was man über die verschiedenen Etablissements so hört und liest, sortiert, ergäbe sich in etwa folgende Prioritätenliste: Strellers, Pavillon, Waldidyll, Opera, Blauer Engel, Le Bambou, Büttners, Drei Schwäne, Villa Esche – mal sehen, ob wir das in 2008 schaffen 😉

Hirschkarree

Heute gab es zur Feier des 2. Advent ein Hirschkarree mit geschmortem Spitzkohl und Kartoffelgratin. Vom Ergebnis war ich sehr überzeugt, außen knusprig aromatisch und innen zart rosig und saftig, so wie sauber gebratenes Fleisch sein sollte.
Das Karree hatte ich ein paar Stunden eingerieben mit Senf, Rosmarin, Knoblauch sowie zerstossenem Wacholder und Pfeffer ruhen lassen. Danach ca. 25 min unter den Grill und bei moderater Hitze noch mal 5 min ruhen lassen. Der Spitzkohl wurde ca. eine halbe Stunde zusammen mit einer Schalotte in ausgelassenem fetten Speck geschmort und ab und an mit etwas Sherry abgelöscht. Außer Kümmel, Pfeffer und Salz braucht so ein Kohl nix weiter um ein wunderbar aromatisches Gemüse zu werden.
Das Karree, auch als Krone bezeichnet, ist nichts anderes als die noch zusammenhängenden Koteletts, die man als Ganzes zubereitet und dann erst aufschneidet. Klar dass diese umso leckerer und saftiger werden, je weiter hinten man am Rücken des Viechs ankommt, also letztlich in die Nähe des Filets kommt.

Mal wieder lecker Kochen

Heute ist, auf Wunsch eines einzelnen Herren, mal wieder großes Kochen angesagt. Dabei folge ich diesmal dem Ratschlag, nur einem oder höchstens zwei Gängen die maximale Aufmerksamkeit zu widmen und den Rest zuzukaufen oder Convenience zu nutzen (Julian Barnes).
Deshalb wird es zum Auftakt Aufgewärmtes geben, eine Suppe von der Roten Bete, die bereits zum Geburtstag für Begeisterung sorgte. Die besondere Note kommt dabei von etwas Meerrettich, der schön mit dem mild süßen Geschmack der Bete harmoniert.
Als Hauptgang kommt ein Rollbraten vom Wildschwein daher. Dieser wird diesmal einem Niedrigtemperaturgaren unterzogen, welches grob dem Rezept von Siebeck folgt (24 h marinieren in Rotwein, Essig, Lorbeer, Möhre, Zwiebel, Pfeffer, Wacholder, rundum sorgfältig anbraten, dann 5 h bei 80 Grad ins Rohr). Die Sauce entsteht aus der Marinade und einer eingedampften Kalbsbrühe (in der vor kurzem noch ein Vitello Tonnato garte). Dazu gibt es Blattspinat (beste Qualität vom liebsten Gemüseladen) und ein Kartoffelgratin (Kartoffelscheiben in Sahne kochen, etwas Gruyere dazu und im Rohr gratinieren).
Abrunden wird das Ganze ein Panna Cotta mit Blaubeersoße (siehe Rezept).